RMC Mittelbaden e.V. Nr. 79 WIR gefunden von Wolfgang Karius (Mit Genehmigung der BNN) Text und Foto Stephanie Hölzl ohnmobilisten ziehen andere Parkflächen vor. CamperTouristen nutzen nicht nur den offiziellen Stellplatz, sondern auch reguläre Parkplätze. (Baden-Baden) Wenn es Abend wird am Fuße des Merkur, dann ziehen sich die Spaziergänger, Wanderer und Ausflügler langsam ins Tal zurück. Nach und nach leeren sich die Parkplätze an der Bergbahn. Doch das ändert sich ebenso nach und nach wieder. Denn sobald die einen mit ihren Autos abfahren, machen sie Platz für die anderen. Die anderen sind Camper, die besonders den unteren Parkplatz der Bergstation nun zu ihrem Domizil auf Zeit machen. Wohnmobil um Wohnmobil kurvt auf die Parkfläche. Türen werden geöffnet, Tischchen und Stühle ins Freie gestellt. Es wird gemütlich, anders kann man es nicht sagen. An einem Abend Mitte August trifft man dort fröhliche Besucher aus Italien, Frankreich und den Niederlanden. Doch warum halten sie am Merkur? Waren sie just oben auf dem Gipfel und fahren nachher wieder ab? Oder haben sie einfach den städtischen Wohnmobilstellplatz in der Hubertusstraße nicht gefunden? „Hier ist es doch viel schöner“, erklärt ein italienischer Tourist auf Nachfrage. Er sitzt in einem gestreiften Klappstuhl, hat Lesestoff, ein Vesper und eine Flasche Rotwein vor sich auf seinem Campingtisch. Seine Begleiterin guckt kurz aus der Tür des Wohnwagens. Sie hat ein Geschirrtuch in der Hand und ist offenkundig gerade beim Abendabwasch. Ob sie nachher noch weiterfahren? Nein, die beiden bleiben über Nacht im hübschen Idyll am Hausberg der Kurstadt. Ob sie wissen, dass sie das eigentlich nicht dürfen? Diese Frage zu klären, scheitert scheinbar an der Sprachbarriere. Der italienische Wohnmobilist lacht verschmitzt und hebt ratlos die Hände. Es ist ziemlich sicher, dass er das weiß. Bei den anderen scheint das ebenso zu sein: Ein niederländischer Fahrer versteht wirklich absolut keine Frage – nicht auf Deutsch, Englisch, Französisch. Als er überraschenderweise mit Niederländisch konfrontiert wird, muss er schnell in sein Wohnmobil. Zwei Fahrzeuge weiter stehen zwei Touristen lieber gleich auf und ziehen sich in ihren Camper zurück, als sie bemerken, dass Fragen auf sie zukommen könnten. Denn faktisch ist nicht erlaubt, was dort auf dem Merkur-Parkplatz geschieht. „In BadenWürttemberg – wie in ganz Deutschland – ist das Übernachten im Wohnmobil auf öffentlichen Parkplätzen grundsätzlich nur dann erlaubt, wenn es der Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit dient“, teilt die städtische Pressestelle auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Das heißt: Wer eine Panne hat, darf so lange dort stehen, bis sein Wohnmobil wieder fährt. „Ein geplanter oder länger geplanter Aufenthalt zählt als unerlaubte Sondernutzung und ist somit verboten“, erklärt Pressesprecher Jonas Sertl. Es gibt aber noch eine weitere Ausnahme in Sachen Fahrtüchtigkeit: Wenn der Fahrer zu müde ist. Die Stadt formuliert das so: „Eine Übernachtung in Ausnahmesituationen ist erlaubt – z. B. bei starker Müdigkeit – sofern sie dazu dient, die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen.“ W WoMos ziehen andere Parkflächen vor 44
RkJQdWJsaXNoZXIy NTkxNDc=