WIR 80- April 2026

RMC Mittelbaden e.V. Nr. 80 WIR Schon im vergangenen Jahr war fraglich, ob der Hafen an dieser Stelle überhaupt kommt. Per Machbarkeitsstudie solle geprüft werden, ob der angedachte Platz bei der Schließbrücke tatsächlich geeignet ist oder der künftige Wohnmobilstellplatz an einer anderen Stelle gebaut werden soll, hieß es damals aus dem Rathaus. Inzwischen steht fest: Der Platz an der Schließbrücke ist nicht geeignet, die Stadt muss sich demnach auf die Suche nach einem anderen Standort machen. An den Platz grenzt direkt das FFH-Schutzgebiet an, das primär dem Erhalt von Lebensräumen wild lebender Tiere und Pflanzenarten dient, heißt es aus dem Rathaus auf eine Nachfrage dieser Redaktion. „Der bestehende Parkplatz ist zudem von großen Bäumen umgeben, die zur Murgseite hin sogar Teil eines flächenhaften Naturdenkmals sind. Ein notwendiger Ausbau wäre daher nicht möglich“, erläutert Pressesprecherin Heike Bornhäußer. Ebenso sei die Parkplatzfläche teilweise mit einem Regenüberlaufbecken unterbaut. Dadurch sei der Einbau notwendiger Infrastruktureinrichtungen, die ein solcher Platz bieten sollte, nur eingeschränkt möglich. „Wir suchen dafür eine Fläche, die gut erreichbar und ausreichend groß ist sowie technisch günstig erschlossen werden kann“, so Oberbürgermeisterin Monika Müller (SPD). Einen Vorschlag dazu hatte in der Vergangenheit bereits der Reisemobil-Club Mittelbaden gemacht: Ein Bereich hinter dem Festplatz an der Friedrichsfeste, nur einen Steinwurf vom Parkplatz an der Schließbrücke entfernt. Vorteile: Die Toilettenanlage zwischen Friedrichring und Murgdamm in der Nähe, der Rewe-Markt um die Ecke, ebenso eine Calisthenics-Anlage für Fitnessübungen – und ein kurzer Weg über die Murg in die City. Der Rastatter Wolfgang Karius, seit vielen Jahren Vorstandsmitglied im Reisemobil-Club, ist Verfechter eines entsprechenden Stellplatzes in der Barockstadt. Er verweist darauf, welchen Nutzen ein attraktiver Hafen für eine Stadt haben kann. Beispiel Oberkirch (mit rund 30 Stellplätzen). Dort zähle man rund 7.000 Übernachtungen im Jahr, erklärt Karius. Geben die Besucher zudem, wie der Rastatter ausführt, im Schnitt 50 Euro täglich in der Stadt aus, kann man sich das Potenzial errechnen. In Oberkirch würde demnach eine gut sechsstellige Summe in die Einzelhandels-, Gastronomie-, Museums-, Bäder- oder andere Kassen gespült. Auch Rastatt würde von einem guten Platz profitieren, ist Karius sicher, der selbst noch rund 150 Tage jährlich mit seinem Gefährt unterwegs ist. Zumal Corona einen Wohnmobilboom befeuert hat, der noch immer für Nachfrage sorgt. „Das Interesse an der Urlaubsform Caravaning ist weiterhin sehr groß“, sagte etwa der Geschäftsführer des Caravaning Industrie-Verbands, Daniel Onggowinarso, im Frühjahr. Erstmals gab es im April mehr als eine Million zugelassene Wohnmobile in Deutschland. Demnach hat sich die Zahl der Mobile seit 2017 verdoppelt. Europaweit hat es der Statistik zufolge 2024 insgesamt rund 220.000 Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen gegeben – unter dem Begriff werden alle Fahrzeuge mit eingebautem Wohnraum zusammengefasst, die zum Reisen, Übernachten und für die Freizeit genutzt werden. Gute Gründe für einen Wohnmobilstopp in Rastatt, meinte Karius, gäbe es jedenfalls genug: Das Schloss mit Schlosskirche, die barocke Innenstadt, sowie die umgebende Landschaft für Ausflüge. Auch OB Müller sähe einen neuen Hafen für die ganzjährig nutzbaren rollenden Eigenheime als „klaren Gewinn für den Tourismus, den Handel und die Gastronomie“. Der Standort müsse zudem mit den Planungen für die Landesgartenschau 2036 harmonieren. „Ich bin zuversichtlich“, schilderte Müller, „dass eine Fläche gefunden wird, um den Urlaub oder die Städtereise mit dem Wohnmobil auch nach Rastatt zu führen“. 16

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