RMC Mittelbaden e.V. Nr. 80 WIR Wer muss was einbauen? Die Regeln im Detail Nicht jedes Wohnmobil ist gleich – und deshalb gibt es auch unterschiedliche Vorgaben, je nach Gewicht und Bauart. Reisemobile mit Basisfahrzeugen bis 3,5 t zul. Gesamtgewicht (N1) benötigen alle acht Assistenzsysteme, schwerere (N2) nur vier davon. Leichte Wohnmobile bis 3,5 Tonnen (N1) – dazu gehören Kastenwagen, teilintegrierte und vollintegrierte Modelle – müssen alle genannten Systeme haben. Das bedeutet: Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, intelligenter Geschwindigkeitsassistent, Rückfahrkamera, Alkohol-Wegfahrsperre, Reifendruckkontrolle und Anfahrassistent. Schwere Wohnmobile über 3,5 Tonnen (N2) – also große Integrierte oder Lkw-basierte Reisemobile – brauchen weniger Sicherheitsausstattung: Hier sind nur vier Systeme Pflicht: Müdigkeitswarner, Alkohol-Wegfahrsperre, intelligenter Geschwindigkeitsassistent und Rückfahrkamera. Der Grund: Schwere Fahrzeuge sind weniger unfallträchtig, und die Technik ist aufwendiger nachzurüsten. Die Branche steht vor einer Riesen-Umstellung. Denn Wohnmobile sind keine SerienPkw – sie werden individuell aufgebaut, oft auf Basis von Transportern oder Lkw. Das Problem: Kameras und Sensoren sitzen meist an der Windschutzscheibe oder am Kühlergrill. Bei vollintegrierten Modellen mit eigener Front müssen die Systeme neu kalibriert werden – das kostet Zeit und Geld. Nicht alle Basisfahrzeuge haben die Technik schon serienmäßig an Bord. Am aufwendigsten wird es für Hersteller von vollintegrierten Wohnmobilen. Hier müssen die neuen Systeme oft neu justiert werden, weil die Front des Fahrzeugs individuell designt ist. Knaus plant etwa, die sogenannte Multi-Purpose-Camera künftig selbst hinter der Windschutzscheibe anzubringen und zu kalibrieren – ein Prozess, mit dem das Unternehmen bereits vertraut ist. Kann ich die Systeme nachrüsten? Die schlechte Nachricht zuerst: Die meisten Assistenzsysteme lassen sich nicht nachrüsten. Sie sind zu komplex und mit der Fahrzeug-Elektronik verknüpft. Einige sinnvolle Helfer gibt es trotzdem als Nachrüstlösungen. Dazu gehören TotwinkelWarner, die vor Fahrzeugen im toten Winkel warnen und Spurwechsel-Assistenten, die beim Wechseln der Fahrspur unterstützen. Auch Rückfahrkameras lassen sich oft nachrüsten – entweder als günstiges Set oder als hochwertige Lösung mit zusätzlichen Funktionen. Fazit Die GSR II ist kein bürokratischer Selbstzweck. Die EU-Regularium rettet Leben – auch wenn Wohnmobile schon jetzt sicher sind. Die Kehrseite: Neue Wohnmobile werden teurer. Experten schätzen den Aufpreis auf 1.000 bis 3.000 Euro. Doch die Systeme machen das Fahren entspannter und sicherer. Wer schon mal einen Notbremsassistenten erlebt hat, der einen vor einem Auffahrunfall bewahrt, will ihn nicht mehr missen. In ein paar Jahren werden wir uns fragen, wie wir ohne diese Helfer jemals gefahren sind. 37
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