WIR 81- August 2026

RMC Mittelbaden e.V. Nr. 81 WIR während des großen Festivals bestimmt um die 50 Wohnmobile in der Stadt gesichtet hat, hoffte er auf guten Rat anderer Caravan-Reisender. „Wie macht ihr denn das?“, fragte er bei mehreren Begegnungen. „Da hält sich jeder bedeckt“, seufzt Schön. Er glaubt auch zu wissen, warum: „Keiner sagt, dass er das Zeug ins Gebüsch schüttet. Das sind ja Zustände wie an der Costa Brava.“ Schön kann über die Situation nur den Kopf schütteln. „Das ist untragbar für eine Stadt wie Rastatt, die ein solches Festival ausrichtet. Man kann doch nicht einfach eine Entsorgungsanlage stilllegen.“ Eigentlich hätte das Problem gar nicht akut werden müssen. Schließlich war schon länger klar, dass es sich bei dem Stellplatz am Alohra um ein Auslaufmodell handelt. Mitte 2020 hatten die Stadtwerke als Betreiber den Hafen schon einmal geschlossen – und nach Kritik wieder geöffnet. 2023 beschloss dann der Gemeinderat, am Parkplatz bei der Schließbrücke einen neuen Wohnmobilhafen anzulegen. Seither ist eine Menge Wasser die Murg hinuntergeflossen – vom Caravan-Stellplatz aber noch keine Spur. Denn es stellte sich heraus, dass das Gelände ungeeignet ist. Ein angrenzendes FFHSchutzgebiet, Bäume als Teil eines flächenhaften Naturdenkmals und ein unterirdisches Regenüberlaufbecken waren K.-o.-Kriterien. Im Rastatter Rathaus nimmt man den jetzigen Fall eher gelassen zur Kenntnis. „Aktuell können Wohnmobilreisende auf dem Murgtal-Campingplatz in Rastatt gegen Gebühr sowohl die Entsorgungsmöglichkeiten als auch die Sanitäranlagen einschließlich Duschen nutzen. Hinzu kommen mehrere weitere Entsorgungsstationen in der Region, beispielsweise in Malsch und Rheinmünster“, erläutert Pressesprecherin Heike Bornhäußer die Sachlage. „Da die meisten Wohnmobilgäste ohnehin nur ein oder zwei Nächte in Rastatt verbringen und anschließend weiterreisen, stehen entlang der üblichen Fahrtrouten zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Verfügung, etwa in Ötigheim, Muggensturm, Bad Rotenfels, Plittersdorf oder Stollhofen/Söllingen.“ Doch offensiv scheint man das nicht mal hausintern zu kommunizieren. Denn Wolfgang Schön hatte in seiner misslichen Lage Rat bei der Tourist-Info gesucht. Dort fand er zwar bei einer „sehr freundlichen Dame“ Gehör. Doch die Mitarbeiterin konnte dem Gast auch nicht aus dem Dilemma helfen. Lediglich einen Tipp habe sie parat gehabt, berichtet Schön. Beim Bildungshaus St. Bernhard gebe es Wohnmobilplätze. Also radelte Schön zum ehemaligen Konvikt. In der Tat: Beim katholischen Bildungshaus gibt es Stellplätze, aber keine Entsorgungsanlage. Frustriert fuhr der Caravanist davon, als ihm bei einer der vielen Stadtwerke-Baustellen ein Geistesblitz kam. Warum nicht in einem mobilen Dixi-Klo entsorgen? Tatsächlich war eine Anlage beim Zay nicht verschlossen. Schön war im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert. Ist ihm jetzt Rastatt vergällt? Nein, zum nächsten tête-à-tête wolle er selbstverständlich wiederkommen. „Ich hoffe, dass die Stadtverwaltung bis dahin in die Puschen gekommen ist.“ Das könnte sogar sein. Denn OB Monika Müller (SPD) plant die Einrichtung von zwei Wohnmobilstellplätzen. Der Gemeinderat werde die Pläne am 22. Juni beraten. Zu den beiden Standorten hüllt sich das Rathaus noch in Schweigen. Und vorsorglich wird schon mal tiefgestapelt. „Die geplanten Stellplätze sind bewusst als einfaches Angebot für Kurzzeitgäste konzipiert. Sie richten sich an Wohnmobilreisende, die ein bis drei Nächte in Rastatt verbringen möchten“, erläutert Pressesprecherin Heike Bornhäußer. Noch in diesem Sommer sollen die Anlagen in Betrieb gehen. Die OB wolle eine „schnelle, pragmatische und kostengünstige Möglichkeit für Wohnmobilfahrer anbieten“, so Bornhäußer. Angesichts dieser Umstände sollte Wolfgang Schön vielleicht lieber nicht darauf wetten, dass eine solche Schmalspur-Variante auch eine Entsorgungsstation beinhaltet. 11

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